Smart Mobility: Was Deutschland von der " Start-up-Nation" lernen kann

Smart Mobility: Was Deutschland von der " Start-up-Nation" lernen kann

Solar Car – Creator: Solar Team Eindhoven in Australie. Creative Commons License LogoThis image is licensed under Creative Commons License.
Ein internationales Forum für Innovationen im Verkehrsbereich

Vom 29. bis 30. Oktober hat die Fuel Choices and Smart Mobility Initiative des israelischen Premierministers in Tel-Aviv ihre 6. Smart Mobility Konferenz eröffnet. Die zweitägige Veranstaltung versammelte nicht nur internationale Führungskräfte aus Politik und Industrie in den Bereichen Verkehr, Energie und Innovation, sondern präsentierte auch die neuesten Errungenschaften in E-Mobilität, autonomes Fahren, Biokraftstoffe und innovative Geschäftsmodelle. Zu den Rednern gehörten leitende Angestellte großer Automobil- und Technologieunternehmen (darunter Tata Motors, Porsche, Hyundai, Waze, Hertz und Daimler). Die Konferenz bot auch eine Plattform für Hunderte von israelischen Startups, die intelligente Lösungen in ihre zukünftigen Mobilitätspläne integrieren wollen und somit ihre Produkte, Software und Dienstleistungen großen multinationalen Unternehmen sowie Vertretern nationaler und lokaler Regierungen vorstellen konnten. Insgesamt zog die Konferenz über 4.000 Teilnehmer an (1.000 davon aus dem Ausland) und ermöglichte 500 formelle B2B- und B2G-Treffen zwischen israelischen Startups und potenzielle internationale Kunden und Investoren.

Am Abend des ersten Tages wurde der Eric und Sheila Samson Preis für Innovationen in Alternativen Kraftstoffen im Bereich Transport während des Gala-Dinners verliehen. Der erste Preisträger dieses Jahres war Gordon Aurbach, ein erfahrener Forscher für Elektrochemie an der Bar Ilan Universität. Er gilt als einer der einflussreichsten Köpfe hinter den jüngsten technologischen Fortschritten bei der Stromspeicherung. Der zweite Preisträger war Lars Peter Lindfors, Senior Vice President of Technology bei Neste. Er wurde für seine Pionierarbeit in der Entwicklung von Biodieselkraftstoff aus organischen Reststoffen ausgezeichnet, die bereits zur Reduzierung der Klimaemissionen um 8,3 Millionen Tonnen beigetragen hat. Vor Ort hielt Premierminister Benjamin Netanyahu eine Rede, in der er sich nachdrücklich für Innovation und Nachhaltigkeit im Verkehr einsetzte.

Intelligente Mobilität in Israel und anderswo

Seit Anfang der 2010er Jahre hat sich Israel als Spitzenreiter für intelligente und saubere Verkehrsmittel positioniert. Im Jahr 2011 startete das Büro des Premierministers die Fuel Choices Initiative, ein Regierungsprogramm zur Förderung alternativer Kraftstoffe und Verkehrsmittel.

Die erste Motivation hinter diesem Programm war es, Israel in eine Zukunft zu führen, in der die Wirtschaft nicht mehr von Ölimporten abhängig ist. Angesichts des Ziels der Regierung, den Ölverbrauch bis 2025 um 60% zu reduzieren, besteht die Mission der Initiative darin, strategische Technologien, Industrien und Kooperationen innerhalb und außerhalb der Grenzen Israels zu entwickeln und zu stärken. Die Initiative erweiterte jedoch schnell ihren Fokus und integrierte das Konzept der "Smart Mobility" in ihre Aktivitäten (und ihren Namen). Im Jahr 2017 richtete die Regierung einen nationalen Plan für den intelligenten Verkehr ein, der die Nachhaltigkeit und Innovation des Verkehrssektors erheblich verstärkt hat.

Smart Mobility wird definiert als mehrere übergreifende Trends, welche die Verkehrsbranche antreiben, wobei die Wichtigsten alternativen Antriebssysteme (Elektrofahrzeuge, alternative Kraftstoffe), fahrerlose und vernetzte Autos sowie das Konzept der „Sharing Economy“ sind. Diese Trends werden voraussichtlich zu neuen Geschäftsmodellen und neuen politischen Rahmenbedingungen führen, die das Verhältnis zwischen Nutzern und Mobilität neu definieren und gleichzeitig wichtige politische Probleme wie Verkehrsüberlastung, Umweltverschmutzung, Unfallrisiko und Zugangsmöglichkeiten zu Mobilität angehen. Technologieunternehmen wie Mobileye und Valens und Mobilitätsdienstleister wie Waze und Gett haben ihre Wurzeln in Israel und fördern das Wachstum in diesem Bereich. Diese Beispiele sind auch Anzeichen für einen größeren Trend, da die Digitalisierung der Mobilität (z.B. Objekterkennung und Objektverfolgung für autonomes Fahren sowie Prognosen des Mobilitätsverhaltens für Shared Ride Services) weitgehend dem israelischen Technologiesektor zugutegekommen ist, wo in der Vergangenheit relevante Fähigkeiten entwickelt wurden, die aber auf militärische Verteidigungsanwendungen oder Big Data-Anwendungen für Nachrichtendienste ausgerichtet waren.

Das Konzept der Smart Mobility spielt auch in den Geschäftspraktiken anderswo auf der Welt eine wichtige Rolle. Große Automobilhersteller verstärken drastisch ihre Aktivitäten im Bereich der Entwicklung neuer elektrischer und autonomer Automodelle. Dies zeigt sich besonders deutlich bei Tata Motors, Indiens größtem Automobilhersteller und Muttergesellschaft von Jaguar und Land Rover, die kürzlich eine strategische Vereinbarung mit Microsoft angekündigt haben, um Künstliche Intelligenz (KI) und Internet der Dinge (IoT) zusammenzuführen, um ein intelligentes, sauberes und sicheres Fahrerlebnis für die neuesten Fahrzeugmodelle zu schaffen. Vielleicht noch wichtiger ist, dass wir auch eine allgemeine Bewegung der weltweit größten Computer- und Technologieunternehmen (Intel, Microsoft, Amazon, Google) in Richtung Mobilität beobachten können, da erwartet wird, dass Big Data und Machine Learning eine zentrale Rolle in den Transportsystemen der Zukunft spielen werden. Bemerkenswert ist auch der Einsatz von Carsharing-Geschäftsmodellen in verschiedenen Teilen der entwickelten Welt, darunter Paris (mit dem staatlichen Autolib' System) und mehrere deutsche Städte (Car2Go, DriveNow).

Die Notwendigkeit von Regulierungsrahmen und das weitere Vorgehen für Deutschland

Angesichts dieser neuen Entwicklungen, sei es durch große Konglomerate oder kleine Startups, ist es essenziell, dass Regierungen auf der ganzen Welt die notwendigen Rahmenbedingungen entwickeln, die diese neuen Mobilitätslösungen in ihre mittel- und langfristigen Strategien integrieren und die richtigen Voraussetzungen für die Entwicklung und Skalierbarkeit von Zukunftstechnologien, Kraftstoffen und Geschäftsmodellen schaffen. Singapurs Strategieplan für Smart Mobility 2030 zielt darauf ab, neue Lösungen auf der Grundlage eines intelligenten und integrierten Verkehrssystems umzusetzen, um das Leben der Pendler zu verbessern. Bei dieser Strategie wird besonderes Gewicht auf die Infrastrukturausgaben gelegt, z.B. auf den Ausbau der fahrerlosen öffentlichen Verkehrsmittel. Andere Strategien sind weniger ressourcenintensiv: In den letzten Jahren sind in den Niederlanden, dank der Maßnahmen des Landes zur Sammlung und Analyse von Big Data, viele Pilotprojekte entstanden.

Obgleich Deutschland oft als weltweiter Vorreiter in der Energiewendepolitik gelobt wird, ist es wichtig, die enormen Fortschritte im Energiesektor (mit dem schnellen Einsatz erneuerbarer Energietechnologien) von den langsamen Fortschritten im Verkehrssektor zu unterscheiden. Tatsächlich stagnieren die CO2-Emissionen des Verkehrs seit 1990. Obwohl dieses Problem in der deutschen Politik erkannt wurde und mehrere lokale Initiativen zur Förderung von Radfahren, Car-Sharing und neuen Mobilitätsdiensten entstanden, fehlt nach wie vor eine umfassende nationale Gesamtstrategie, die sowohl das Ziel der Entkarbonisierung des Verkehrssektors als auch die Notwendigkeit, einen Rechtsrahmen für Smart Mobility-Lösungen zu schaffen, integriert.

 

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