Meer verstehen in Israel

Meer verstehen in Israel

Letztes Jahr hat Hendrik Schopmans am Stipendienprogramm des Israel Public Policy Institute (IPPI) in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Israel und dem israelischen Umweltministerium zum Thema Umweltpolitik teilgenommen. Ein Erfahrungsbericht.

Apollonia National Park, Israel – Creator: TanyaKogan. Creative Commons License LogoThis image is licensed under Creative Commons License.

Plastikmüll, Überfischung, Versauerung, Korallensterben – stetig wächst die Liste der Schäden, die menschliche Aktivitäten in den fragilen Ökosystemen der Weltmeere anrichten. Schon während meines Masterstudiums in Oxford faszinierte mich deshalb die Frage, wie Staaten zusammenarbeiten können, um unsere Meere besser vor diesen transnationalen Herausforderungen zu schützen. Nach meinem Abschluss sah ich die Ausschreibung für das Fellowship „Environmental Innovation – deutsch-israelische Perspektiven“, das durch das Israel Public Policy Institute (IPPI) in Kooperation mit dem israelischen Ministerium für Umweltschutz und der Heinrich Böll Stiftung Israel stattfindet. Ich war mir sicher, dass mir das Programm die ideale Kombination von eigenständiger Forschung und direktem Austausch mit Entscheidungsträgern bieten würde, um dieser Frage in einem neuen politischen und kulturellen Kontext weiter auf den Grund zu gehen.

In Tel Aviv angekommen, war ich zunächst positiv von der Vielseitigkeit, Flexibilität und großen Gestaltungsfreiheit überrascht, die von Seiten des Israel Public Policy Institute (IPPI) vorgesehen war. In Hinblick auf mein Forschungsvorhaben war die Vorgabe, die Herangehensweisen von Deutschland und Israel in einer gemeinsamen umweltpolitischen Herausforderung zu beleuchten und jeweils ‚Best Practices’ und ‚Lessons Learned’ abzuleiten. Dieser Ansatz ließ sich bei meiner Forschung zum Meeresschutz besonders gut umsetzen, denn während Deutschland in Sachen Meeres- und Umweltschutz als Pionier gilt, sieht sich Israel der Kritik von Meeresschützern ausgesetzt: das Land habe es verschlafen, eine umfassende Strategie, die wirtschaftliche Nutzung und ökologischen Schutz des maritimen Raums in Einklang bringt, zu entwerfen und priorisiere stattdessen die Entwicklung der kürzlich entdecken Gasfelder im Mittelmeer. Über die Kontakte des IPPI konnte ich im Rahmen meiner Forschung in den direkten Austausch mit Experten aus dem Umweltministerium, dem Ministerium für Energie sowie Nichtregierungsorganisationen treten und mir ein differenziertes Bild davon verschaffen, welche konkreten Hindernisse Israel hinsichtlich einer nachhaltigen Nutzung des Meeres konfrontiert. Basierend auf meinen Interviews sowie einer Analyse von Deutschlands Erfahrungen in der Meerespolitik zielte mein Policy Paper schließlich darauf ab, konkrete Handlungsempfehlungen für die Politik zu entwickeln. Mein Fazit: Israels Meerespolitik könnte von einer klaren Definition der Zuständigkeiten der verschiedenen Ministerien, einer stärkeren Förderung der Meeresforschung und der Ausweisung von Schutzgebieten sowie der Entwicklung einer maritimen Raumordnung, die konkurrierende Nutzungsansprüche harmonisiert, profitieren.

Neben der Umsetzung meines selbst konzipierten Forschungsvorhabens beim IPPI wurde ich während des Stipendienprogramms aktiv auch in die Arbeit der Partnerorganisationen eingebunden. Bei der Zuweisung der Aufgaben wurde dabei großer Wert auf die Berücksichtigung meiner Interessen gelegt. Im israelischen Umweltministerium beispielsweise übernahm ich in der Abteilung für multilaterale Abkommen sofort Verantwortung für die inhaltliche Vorbereitung der israelischen Delegation auf die UN World Ocean Conference in New York, die im Juni 2017 stattfand – eine Aufgabe, die perfekt zu meinem Interessengebiet der internationalen Meerespolitik passte. Die Arbeit im Ministerium ermöglichte mir, mich eng mit israelischen EntscheidungsträgerInnen und ExpertInnen im Bereich des Meeresschutzes auszutauschen, wodurch ich auch zahlreiche Erkenntnisse für mein eigenes Forschungsvorhaben gewinnen konnte. Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit war im Büro der Heinrich Böll Stiftung in Tel Aviv, der zweiten Partnerorganisation des IPPI Fellowships. Hier übernahm ich in erster Linie die Aufgabe, längere Analysen zu aktuellen politischen Entwicklungen in Israel zu verfassen. Meiner Meinung nach stellte die Arbeit bei der Heinrich Böll Stiftung einen guten Ausgleich zur fachspezifischen Forschung im Rahmen meiner Arbeit im Ministerium sowie an dem Policy Paper dar: denn durch das Verfassen der Analysen und dem Mitwirken an Veranstaltungen setzte ich mich aktiv mit den politischen und gesellschaftlichen Debatten auseinander, die das tägliche Geschehen in Israel bestimmten.

Insgesamt hat mir das Fellowship nicht nur ermöglicht, Israel kulturell kennenzulernen und seine Politik besser zu verstehen, sondern auch eine neue Perspektive in meinem Forschungsfeld zu gewinnen. Ich glaube, dass das IPPI-Stipendium eine große Chance für junge Fachleute darstellt, die in einem politikorientierten Umfeld fundierte Berufserfahrung sammeln und gleichzeitig durch die Zusammenarbeit mit israelischen FachexpertInnen wichtige Erkenntnisse in ihrem Forschungsgebiet erarbeiten wollen. Für mich hat sich das Fellowship auch in Hinblick auf meine weitere Laufbahn direkt ausgezahlt: direkt nach meiner Rückkehr aus Israel habe ich eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam angetreten, wo ich nun auch weiterhin an der Schnittstelle zwischen Forschung und Politik im Bereich des Meeresschutzes arbeite.

Über das IPPI

Das Israel Public Policy Institute (IPPI) ist eine unabhängige, überparteiliche Denkfabrik, die die professionelle Zusammenarbeit zwischen NachwuchsforscherInnen und führenden AkteurInnen aus Wissenschaft und Politik in Israel und Europa stärkt. Die Mission des IPPI ist es, durch Austausch und Kooperation Strategien zur Bewältigung jener Herausforderungen zu entwickeln, mit denen sich Israel und Europa im 21. Jahrhundert konfrontiert sehen. Dies betrifft insbesondere aktuelle Themenkomplexe wie internationale Sicherheit, digitale Transformation und ökologische Nachhaltigkeit.

Das IPPI bietet JungwissenschaftlerInnen aus Deutschland die Gelegenheit, während eines Stipendienprogramms die politische Landschaft Israels kennen zu lernen. Durch die Einbindung in die Arbeit von Ministerien, Forschungseinrichtungen und Nichtregierungsorganisationen (NROs) sammeln die StipendiatInnen Erfahrungen aus erster Hand und entwickeln gemeinsame Perspektiven für die Zukunft Europas und Israels.

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