Marsch der Torheit

Marsch der Torheit

Weder Hamas noch Israel sind an einer weiteren Runde kämpferischer Auseinandersetzungen in Gaza interessiert, bei denen sich die israelische Armee zum Einmarsch in den Gazastreifen genötigt sehen könnte. Die hohe Anzahl palästinensischer Todesopfer könnte der Hamas allerdings keine andere Wahl lassen und die Terrororganisation zur Reaktion zwingen. Sollte Hamas oder eine der anderen palästinensischen Splittergruppen Israel mit Raketen beschießen, wäre eine Eskalation des Konflikts denkbar. 

A young Palestinian throwing a rock as part of the Gaza demonstrations in May 2018 – Creator: Mustafa Hassona/Anadolu Agency/Getty Images. Creative Commons License LogoThis image is licensed under Creative Commons License.

Es war ein symbolträchtiger Tag. Die Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem hat Israels Souveränität bestärkt und die Legitimität des Staates unterstrichen. Zur gleichen Zeit wurden Dutzende Palästinenser bei einem großtuerischen, selbstmörderischen Spektakel ohne reales Ziel getötet und verletzt. Die Palästinenser haben sich verhalten, wie sie das schon seit über 70 Jahren tun. Diesmal ging es im Grunde um die Aufwertung der Hamas, die um ihre Herrschaft fürchtet.

Israel hatte die Hamas zuvor unmissverständlich gewarnt: Sollten sich die Ausschreitungen vom Montag auch am Dienstag wiederholen und die Lage weiter eskalieren, wird Israel nicht zögern, die Anführer der Terrorgruppierung gezielt zu attackieren. Die israelische Warnung wurde der Hamas über ägyptische und andere Kanäle übermittelt.

Die Hamas-Führung vermochte nicht einmal zu sagen, welchen Sinn der Tod Dutzender Menschen im Gazastreifen habe. Außer vagen Floskeln und hohlen Symbolen, die seit mehr als 70 Jahren reproduziert werden, konnte die Organisation mit nichts aufwarten.

An diesem Montag scheiterte die Hamas in fast jeder Hinsicht. Die Palästinenser in der Westbank und in Jerusalem haben sich den Protesten nicht angeschlossen. Auch die massiven Zusammenstöße mit israelischen Sicherheitskräften, mit denen die Herrscher über Gaza gerechnet hatten, blieben aus. Maßgebliche internationale Unterstützung für den Kampf der Hamas gab es nicht. Die knapp 40.000, die letztlich in Richtung Grenze marschierten, haben die Hunderttausender-Marke, die die Hamas sich gesetzt hatte, nicht einmal annähernd erreicht.

Der Hamas ist es nicht gelungen, die Bedürfnisse der Bevölkerung von Gaza zufrieden zu stellen. Ihr fehlte auch ein „Ausstiegsszenario“, das es ihr ermöglicht hätte, aus der selbst herbeigeführten Situation Profit zu schlagen.

Der „Marsch der Rückkehr“ erwies sich als klassischer „Marsch der Torheit“, der möglichst schnell beendet werden mußte. Auch Dienstag werden palästinensische Jugendliche und Kinder wieder auf den Grenzzaun zurennen, obwohl sie wissen, dass sie bestenfalls mit verkrüppelnden Beinverletzungen davon kommen werden.

An der hohen Zahl der Toten, bisher sind es mehr als Fünfzig, sind nicht etwa schießwütige israelische Soldaten schuld sondern die Hamas. Mit ihrem Appell an die Massen, den Zaun zu stürmen, will die Organisation das eigene Versagen vertuschen. Also riefen Hamas und weitere palästinensische Organisationen dazu auf, den Zaun an zwölf Stellen gleichzeitig zu durchbrechen. Tatsächlich hat es zwei oder drei derartige Versuche gegeben, die die Zahl der Todesfälle verdoppelt oder gar verdreifacht haben.

Die israelische Armee hatte keine andere Wahl. Es gibt keine nicht tödlichen Maßnahmen, die Demonstranten an der Überschreitung der Grenze zu hindern. Mit dem Feuer der Scharfschützen wurden Tausende Palästinenser am Eindringen in israelische Ortschaften entlang der Grenze gehindert.

Nun sprechen Palästinenser und deren Unterstützer von einem „Massaker“. Dieser Begriff soll ihnen internationale Unterstützung bringen, allerdings wissen EU-Politiker sehr wohl zwischen Massaker und legitimem Schussbefehl zum Zwecke der Selbstverteidigung zu unterscheiden. Bei Massakern sind die Opfer einer stärkeren Macht hilflos ausgeliefert und nicht Herr ihres Schicksals. Die Zusammenstöße im Gazastreifen dagegen waren ein von der Hamas inszeniertes Spektakel, bei dem die Hamas den Demonstranten die Opferrolle zugedacht hatte. Doch letztlich konnten die Teilnehmer an den Ausschreitungen selbst entscheiden. Und hätten sie sich nicht an der Stürmung des Grenzzauns beteiligt, so wären sie auch nicht getötet worden. Israel hatte sie zuvor auf jede erdenkliche Weise gewarnt.

Hinzu kommt, dass die Demonstranten aus Gaza, die bei den letzten „Rückkehr-Märschen“ getötet wurden, nicht etwa ihr Zuhause vor einer israelischen Invasion verteidigten, sondern sie es gewesen sind, die versucht haben, nach Israel vorzudringen. Sie haben auch explizit gesagt, was sie vorhaben, wenn sie nach Israel gelangt sind. Sie wollen Israels Sicherheitsinfrastruktur und Sicherheitsausrüstung sabotieren und einen Soldaten oder Zivilisten entführen, der ihnen als Druckmittel bei Verhandlungen dienen soll. Die Demonstranten hatten vor, in israelische Ortschaften einzudringen, wo sie für einige Zeit die Macht übernehmen und eine Pressekonferenz abhalten wollten. Hamas hatte sogar eine Karte mit den Dörfern veröffentlicht, die eingenommen werden sollten.

Die Behauptung, die Demonstranten versuchten lediglich, den Belagerungszustand von Gaza aufzuheben, hält einer Prüfung durch den gesunden Menschenverstand nicht stand. Nehmen wir einmal an, dass es Tausenden gelungen wäre, den Zaun zu durchbrechen, ohne dass die israelische Armee sie aufgehalten hätte. Wäre damit die ägyptische und israelische Blockade des Gazastreifens beendet? Wohl kaum.

Die internationale Gemeinschaft hätte in der Stürmung des Zauns ein legitimes Mittel im Kampf gegen die Abriegelung von Gaza gesehen, wenn die Tausende von Palästinensern, wie eingangs behauptet, tatsächlich friedlich protestiert hätten und ohne Brandflaschen, Sprengsätze, Schüsse und Feuerdrachen, mit denen Getreidefelder in Grenznähe in Brand gesetzt wurden.  

Stattdessen ging der Schuss der im Gazastreifen demonstrierenden und von der Hamas angeführten Palästinenser nach hinten los. Aus keinem logisch nachvollziehbaren Grund schossen sie sich selbst ins Bein und ließen die Treibstoffdepots am Grenzübergang Kerem Shalom in Flammen aufgehen. Über Kerem Shalom erhalten sie ihr Kochgas und den Treibstoff für ihre Kraftwerke.

Das Scharfschützenfeuer der israelischen Armee war legitime Selbstverteidigung. Die Verteidigung der Zivilbevölkerung ist nun einmal Sinn und Zweck von Armeen. Diese Sichtweise spiegelte sich auch in dem von EU-Diplomaten in Brüssel verfassten Statement wider.

Aus der Menschenmenge heraus und von ihr verborgen wurden bei den Zusammenstößen am Grenzzaun ungewöhnlich viele Schüsse abgegeben und Sprengsätze geworfen, worauf Israel mit der Bombardierung aus der Luft und Panzerbeschuss auf Hamas-Ziele reagierte. Damit sollte der Hamas klar gemacht werden, dass die israelische Gegenreaktion bei Anhalten der von ihr gesteuerten und angeführten Infiltrationsversuche zunehmend schärfer ausfallen wird.

Letztlich haben weder Israel noch die Hamas ein Interesse oder gar die Absicht, die gegenwärtigen Zusammenstöße zu einem weiteren Gazakrieg ausarten zu lassen. Hamas würde in so einem Krieg wahrscheinlich die Herrschaft verlieren und Israel anschließend dem bisherigen Stand der Dinge oder einer Verschlimmerung der Lage gegenüber stehen. Da es beiden Seiten an Motivation fehlt, werden weder Hamas noch Israel einen weiteren Krieg eingehen, bei dem die israelische Armee gezwungen sein könnte, in den Gazastreifen einzumarschieren.

Allerdings könnte die hohe Anzahl der Todesfälle die Hamas zu einer heftigen Reaktion zwingen. Ausschlaggebend sind die Entwicklungen Montagnacht. Werden Hamas und andere palästinensische Terrorgruppierungen der Versuchung widerstehen oder werden sie Raketen auf Israel abfeuern,  die eine weitere Runde von Kämpfen einläuten könnten?

Am Dienstag werden die Zwischenfälle am Zaun ihren Höhepunkt erreichen. Die vielen Begräbnisse werden die Bevölkerung Gazas diesmal sicher auch ohne Anstachlung durch Hamas und andere palästinensische Fraktionen aufgebracht auf die Grenze losstürmen lassen. Noch ist eine Prognose zum Ausgang der Zwischenfälle am Nakba-Tag allerdings verfrüht.     

0 Comments

Add new comment

Add new comment