Israelis marschieren für den Klimaschutz – und gegen Trump

Climate March in Tel Aviv. Creator: Elisheva Gilad. Creative Commons License LogoThis image is licensed under Creative Commons License.

Als US Präsident Donald Trump am 1. Juni den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen verkündete, bestätigte er damit die schlimmsten Befürchtungen von Umweltschützern auf der ganzen Welt. Auch Israels grüne Bewegung hatte sich schon vor Trumps jüngster Ankündigung besorgt über Äußerungen des US Präsidenten gezeigt, in denen er die wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels anzweifelte und die Förderung der fossilen Brennstoffindustrie versprach. Um ein Zeichen für den Klimaschutz und gegen die Politik des amtierenden US Präsidenten zu setzen, riefen deshalb mehr als ein Dutzend israelischer Umweltorganisationen zu einem Protestmarsch anlässlich des Earth Day 2017 auf.

Am Morgen des 28. April versammelten sich geschätzte 700 Demonstranten unter dem Banner des „People’s Climate March“ im Zentrum Tel Avivs. Angeführt von den Umweltaktivisten der Studentenbewegung Green Course sollte der Protest vor der amerikanischen Botschaft an der Strandpromenade Tel Avivs seinen Höhepunkt erreichen. Vor Beginn des Marsches stellten verschiedene Umweltorganisationen und -initiativen zunächst ihre Projekte zum Klima- und Umweltschutz vor, darunter international etablierte NGOs wie Greenpeace, aber auch lokale Partnerorganisationen der Heinrich Böll Stiftung Israel, wie das Heschel Center for Sustainability und die Society for Sustainable Economics. Anschließend zogen die Demonstranten, ausgestattet mit zahlreichen Bannern und Schildern und angetrieben von energischer Livemusik, durch die Straßen der israelischen Hauptstadt, ehe sie sich vor der amerikanischen Botschaft versammelten. Dort forderten sie den US Präsidenten lautstark dazu auf, von seiner Drohung, das Pariser Abkommen aufzukündigen, abzurücken – ein Appell, der wie die parallel organisierten Protestmärschen auf der ganzen Welt auf taube Ohren stieß.

Auch wenn es viele der Aktivisten mit ihren Botschaften auf Trump abgesehen hatten, war die eigentliche Zielgruppe der Demonstration die israelische Öffentlichkeit. Denn auch Israels Regierung hat bei ihrer Klimapolitik Nachholbedarf. Zwar hat sich Israel unter dem Pariser Abkommen dazu verpflichtet, den pro-Kopf Ausstoß von Treibhausgasen um 26% zu reduzieren und den Anteil erneuerbarer Energien um das Achtfache zu vergrößern, doch gehen diese Maßnahmen vielen Umweltschützern nicht weit genug: so stammen momentan beispielsweise lediglich zwei Prozent der Elektrizität, die in Israel produziert wird, aus erneuerbaren Quellen.

Dabei ist Israel besonders betroffen von den Folgen des Klimawandels. Steigende Temperaturen werden die destruktiven Auswirkungen von Naturkatastrophen wie Dürren, Waldbränden und Überschwemmungen noch zusätzlich verschärfen. Über sechs Millionen Israelis und Palästinenser leben in dicht besiedelten Küstenregionen und könnten durch den ansteigenden Meeresspiegel in ihrer Existenz bedroht werden. Außerdem warnen Experten, dass die regionale politische Instabilität, die sich durch das Auftreten von Extremwetterphänomenen und schwindenden Wasservorkommen noch verstärken wird, auch Israels Sicherheit gefährdet. Gerade vor dem Hintergrund von Trumps jüngster Ankündigung werden israelische Umweltschützer deshalb nun alles daran setzen, die israelische Regierung hinsichtlich der Einhaltung ihrer Klimaschutzziele unter Druck zu setzen.

Auch wenn eine der zentralen Anliegen des Protestmarsches mit dem Austritt der USA aus dem Pariser Abkommen enttäuscht wurde, war die Demonstration dennoch ein Erfolg: die Bereitschaft so vieler junger Israelis, ein positives Zeichen für den Klimaschutz zu setzen, sollte der noch jungen israelischen Umweltbewegung Zuversicht für die bevorstehenden Herausforderungen geben. 

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