Es ist möglich, die Lebensqualität der Bewohner_innen in unseren Städten zu verändern

Es ist möglich, die Lebensqualität der Bewohner_innen in unseren Städten zu verändern

Creator: Shiyang Huang. Creative Commons License LogoThis image is licensed under Creative Commons License.

Wir leben in einer Zeit, in der Städte auf der ganzen Welt die Verantwortung übernehmen und Prozesse einführen, die dazu dienen, die Lebensqualität ihrer Bewohner zu verbessern. Und was ist mit Israel?

Es ist nicht einfach, sich eine Stadt ohne Autos vorzustellen. Genau dies ist allerdings der Plan der Stadt Helsinki in Finnland für das Jahr 2025. Helsinki will der Welt zeigen, dass eine Stadt gut funktionieren könnte, und sogar besser, wenn die Bewohner_innen der Stadt gar nicht das Auto benutzen müssen, und ferner, die Notwendigkeit für den Besitz von Autos komplett zu erübrigen. Das Programm trägt den Titel „Null Besitz von Pkws“ und es gibt sehr gute Gründe, es umzusetzen: eine Abnahme der Zahl der Todesopfer bei Verkehrsunfällen, die Verbesserung der Luftqualität und eine dramatische Verringerung der Verschmutzung durch den Verkehr, und bis hin zu einer Erhöhung der Anzahl der Stadtbewohner_innen, die regelmäßig Sport treiben. Laut einer neuen Studie, die im American Journal of Public Health veröffentlicht wurde, widmen Menschen, die in der Nähe eines Radwegs leben, 45 Minuten mehr Zeit für körperliche Aktivität als andere. Diese Linie gewinnt auch in anderen Städten an Fahrt, wie Oslo, Barcelona, ​​Kopenhagen und Paris.

Und Helsinki steht nicht alleine. London hat eine „Staugebühr" eingeführt, die von Autobesitzer_innen gezahlt wird, die ins Stadtzentrum fahren, und selbst die zentrale Oxfordstraße wird in den nächsten zwei Jahren für Autofahrer_innen verschlossen bleiben. In Paris kündigte die Bürgermeisterin Ann Hidalgo an, dass bis zum Jahr 2030 keine brennstoffbetriebenen Fahrzeuge in die Innenstadt gelangen werden dürfen. Diese Entscheidungen wurden von einer starken lokalen Führung getroffen, deren Ziel es ist, strategische Prozesse durchzuführen,  die das Leben der Bewohner_innen verbessern und die Umwelt schützen.

Wir leben in einer Zeit, in der die Städte die Führung übernehmen und zunehmend zu einem wichtigen Akteur werden, was die Verbesserung der Lebensqualität ihrer Bewohner_innen  anbelangt. Und was ist mit Israel? Werden wir in der Lage sein, unsere Kinder zu einer Aktivität auf der anderen Straßenseite zu bringen, oder werden wir ins Einkaufszentrum außerhalb der Stadt fahren müssen? Werden wir in unserer Nachbarschaft spazieren gehen können, oder werden wir ins Fitnessstudio gehen müssen? Im Gegensatz zu anderen Orten in Israel, haben die meisten Bewohner_innen der Stadt Tel Aviv Zugang zu kommunalen Dienstleistungen nur wenige Gehminuten von ihrer Wohnung entfernt, etwa wie zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Restaurants, Cafés, Kulturstätten. Folglich besitzen viele Tel-Aviver Haushalte entweder ein einziges Auto oder gar keines.

Aber Tel Aviv, und in gewissem Maße auch Jerusalem, stellt kein repräsentatives Beispiel dafür dar, was sich in den meisten israelischen Städten abspielt. In den meisten Städten sind zwei Fahrzeuge eine Notwendigkeit für jede Familie. Bildungs-, Handels-, Beschäftigungs- und Freizeitdienste befinden sich  nicht in unmittelbarer Nähe zu den Wohnorten der Stadtbewohner_innen, sodass sie gezwungen sind, öffentliche Kämpfe zu führen, wenn sie wollen, dass ein Lebensmittelladen in ihrer Nähe geöffnet wird.

Dennoch scheinen immer mehr Kommunen sich dem globalen Trend anzuschließen und Veränderungen herbeizuführen: Das sehen wir in der größer werdenden Nachfrage für unsere Workshops zu den Themen Green Building und nachhaltige Planung. An den Workshops, die wir zum Beispiel in Herzliya und Netivot durchführten, nahmen selbst die Bürgermeister_innen teil und setzten sich mit unseren Expert_innen zusammen, um zu lernen. Die Gemeinden verfügen über das Kapital, eine entscheidende Veränderung der Lebensqualität der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in der Stadt herbeizuführen. Wir sehen es überall auf der Welt und ich glaube, dass wir 2018 das Privileg haben werden, es auch in Israel zu spüren, und nicht nur in den großen Städten.

Das Potential ist da ebenso wie der Wille. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit dem Ministerium für Umweltschutz das Programm „Leadership 360 - Planung und Management der städtischen Gebiete in Israel" aufgebaut. Dies ist ein nationales Programm für politische Entscheidungsträger_innen und hochrangige Beamte in den Gemeinden- bzw. Stadtverwaltungen und der Regierung, die aufgrund ihrer Funktion entscheidenden Einfluss auf Planungs-, Entwicklungs-, und Bauprozesse im Land haben. Der Zweck des Leadership-Programms ist es, die Umsetzung von weitgreifenden Prozessen zur Qualitätssicherung des bebauten Raums in israelischen Städten in den kommenden Jahren zu fördern. Der Grund, weshalb viele Vertreter_innen der israelischen Städte sich für das Programm angemeldet haben liegt an ihrem Verständnis, dass das Programm ihnen die notwendigen Tools für eine bessere Gestaltung ihrer Wohnorte geben kann.

Wir werden weiterhin die lokalen Behörden in Israel unterstützen und mit ihnen zusammenarbeiten, um die Lebensqualität der Bewohner_innen zu verbessern. Es ist möglich, es lohnt sich und es wird auch passieren.

„Israel Green Building Council“ ist seit 2016 ein Projektpartner des israelischen Büros der Heinrich-Böll-Stiftung. Aktuell arbeiten wir zusammen an einem Projekt zur Verbesserung von nachhaltiger Stadtplanung, bei dem besonders die Gemeinde- und Stadtverwaltungen, sowie die Bürger_innen der sozioökonomischen Peripherie Israel einbezogen werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf arabischen und ultra-orthodoxen Gegenden.

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