Wenn sich Nachhaltigkeit und Wirtschaft treffen

Wenn sich Nachhaltigkeit und Wirtschaft treffen

Sheana Schechterman. Creator: Heschel Center. All rights reserved.

Sheana hat einen Bachelorabschluss in Psychologie und einen Master in Soziologie und Anthropologie der „Hebrew University“. Sie hat außerdem umfassende Erfahrungen in sozialer Arbeit. In der Vergangenheit arbeitete sie an der Förderung von Frauenrechten als Lobbyistin von WIZO in der Knesset und leitete später das „Mimshak“ (Interface) Programm für die Einbindung der Wissenschaft in die Politik durch die „Israel Society of Ecology“.

F: Was führte zu ihrer Teilnahme an dem Fellowship-Programm?

Nachdem ich in der feministischen Welt gearbeitet habe, fühlte ich, dass der Umweltbereich bedeutsamer für mein Leben wurde. Zur selben Zeit fühlte ich, dass mir das Wissen bezüglich Umwelt fehlte und während meiner Arbeit in dem „Mimshak“-Programm kam ich mit einer großen Menge an Wissen aus diesem Feld in Berührung. Dennoch war es nicht genug für meinen Geschmack, also entschied ich mich diese Wissenslücken zu schließen. Als ich anfing nach Möglichkeiten zu suchen mein Wissen zu erweitern, erschien mir das Heschel Fellowship-Programm als der richtige Platz für mich.

F: Wie waren ihre ersten Erfahrung in dem Fellowship-Programm?

Ich kam zu Heschel, nachdem ich ein Jahr das Mimshak-Programm geleitet habe, dementsprechend war mir der Großteil der präsentierten Inhalte vertraut. Nichtsdestotrotz vertieften die Studien mein Wissen um und meine Vertrautheit mit Organisationen des sozialen Wandels im Umweltbereich und erlaubten mir mich mit Schlüsselakteuren in diesem Feld zu vernetzen. Heschel eröffnete mir eine breite Perspektive auf die Prozesse des sozialen Wandels, die sich in der Welt ereignen, was sehr eindrucksvoll für mich war. Außerdem fokussiert sich das Fellowship-Programm besonders auf die Verbindungen und Dynamiken zwischen den Gruppenmitgliedern. So treffen wir uns beispielsweise immer noch alle paar Monaten, um voneinander zu lernen und uns auszutauschen.

F: Was haben Sie nach dem Ende des Programms gemacht?

Alon Piltz (Besitzer des Dizengoff Einkaufszentrums) und ich waren in derselben Kohorte des Fellowship-Programms. Als Teil unserer Gruppen- und Zweierarbeit dachten wir es wäre interessant und herausfordernd alle Konzepte und Sichtweisen der Nachhaltigkeit in das Herz der Geschäftswelt zu bringen. Meiner Meinung nach ist das genau der Platz, der das größte Potential besitzt die Öffentlichkeit zu erreichen. Ich bin aufgeregt darüber einen Dialog über Nachhaltigkeit in die Geschäftswelt einzuführen und der negativen Sicht darauf entgegenzuwirken. Es ist wichtig Sachen nicht nur außerhalb des Mainstreams zu realisieren, wo sie isoliert und exotisch sind, sondern in einer zentralen Lage, wo eine große Bevölkerung ist, so dass wir einen signifikanten Wandel erzeugen können.

 

F: Wie haben Sie sich entschieden zu handeln?

Wir haben entschieden uns auf drei Ideen zu fokussieren: Grünes Bauwesen, nachhaltige Ernährung und urbane Umwelt. Bezüglich des grünen Bauwesens haben wir den Energieverbrauch und die Wasser- und Abfallbehandlung untersucht.

In den ersten Wochen haben wir das erste Klimakompensationsprojekt gestartet. Wir haben unseren Energieverbrauch aus dem Jahr 2013 als Referenzrahmen genommen und davon 5 % abgezogen. Zusätzlich haben wir das „One Tree“ Projekt zusammen mit der „Good Energie Initiative“ durchgeführt, welche von Eyal Biger, einer anderen Heschel-Absolventin, geleitet wird. Es handelte sich dabei um ein Gemeindeprojekt, bei dem Kinder von der Gavrieli-Schule die Möglichkeit hatten Bäume in ihrem Namen zu pflanzen. Diese Bäume wuchsen auf dem Dach des Einkaufszentrums und die Kinder konnten wiederkommen und das Wachstum der Bäume mit verfolgen. Nach ein paar Monaten wurden die Bäume dann der Stadtverwaltung gestiftet. Heute, vier Jahre später, läuft dieses Projekt immer noch und hat sich zu einer der Säulen unserer Arbeit entwickelt – Bildungsworkshops für Schulkinder anzubieten. In diesen Workshops, die auch für Erwachsenen angeboten werden, lehren wir Werte wie städtische Nachhaltigkeit, Konsum von regionalen Lebensmitteln, gesunde Ernährung und mehr.

Zur selben Zeit haben wir zwei neue Klimaanlagensysteme gekauft, was mit großen Kosten verbunden war. Wir waren aber in der Lage dies mit der Unterstützung des Energieministeriums umzusetzen. Gleichzeitig haben wir versucht das Green-Standard-Label des Ministeriums für Umweltschutz zu erhalten. Dies stellt einen sehr wichtigen Schritt dar, da dies die erste erfolgreiche Zusammenarbeit des Handel-Kunden-Sektors mit dem Ministerium für Umweltschutz war. Aufgrund meiner früheren beruflichen Tätigkeit hatte ich Erfahrung in der Zusammenarbeit mit der Regierung, für den Geschäfts- und Handelssektor war es allerdings zu dieser Zeit etwas komplett Neues.

Wir haben eine Beratungsfirma („Green Target“), die uns begleitet und den Fortschritt und die Resultate dokumentiert. Das Ziel ist auf andere Handelszentren in Israel zuzugehen und ihnen die Vorteile und Veränderungen zu zeigen, die in unserer Firma nach einem Jahr Fortschritt stattgefunden haben und dann einen von der Regierung autorisierten Standard zu erwerben. Es ist ein sehr genereller, grober Leitfaden, der dafür aber leichter verteilt werden kann.

Bezüglich des Abfalls: gerade widmen wir uns dem Aufbau einer Infrastruktur von orangenen Mülleimern für Recyclingmüll im Dizengoff-Zentrum. Wir wollen, dass die Mülleimer hier zuerst aufgestellt werden bevor sie in der Stadt verteilt werden. Im Moment befinden wir uns im Dialog mit einem Unternehmen, um sie zu überzeugen die Mülleimer zuerst zu uns zu liefern bevor sie in der Stadt aufgestellt werden. Wir wollen die Verteilung dieser Mülleimer nicht nur in Privathaushalten, sondern auch im öffentlichen Raum. Wir hoffen, dass dies ein Prozess des Lernens und Einbringens von guten Verhaltensweisen in die Öffentlichkeit wird. Das Ziel ist diese Mülleimer gleichzeitig in Privathaushalten und der Öffentlichkeit zu verteilen. Das ist nicht einfach, aber es ist sehr interessant, weil ich glaube, dass die richtige Handhabung der Herausforderungen der Abfallbehandlung tief in unserem Unterbewusstsein liegt.

Bezüglich der nachhaltigen Ernährung haben wir uns entschieden, dass wir in unserem ersten Projekt einen Bauernmarkt etablieren wollen mit der Absicht Ernährung mit einer Umweltagenda zu verknüpfen. Wir stehen in Verbindung mit einer Bewegung, in der Menschen ein Interesse an gesundem Essen haben, das direkt von den Erzeugern kommt und nicht zuerst eingefroren wurde. Die Menschen, die Teil dieser Bewegung sind, bevorzugen den Einkauf bei kleinen lokalen Bauernhöfen und nicht bei großen kommerziellen Unternehmen. Jeder Bauer, der seine Produkte auf dem Markt verkauft, besitzt eine Art Ausweis, auf dem vermerkt ist, wie viele Kilometer die Lebensmittel zurückgelegt haben auf dem Weg zum Kunden und auch einschließlich der Anbaumethode und ob Pestizide eingesetzt wurden oder nicht. Wir haben uns entschieden die Bauern und Lebensmittelhersteller von Hand auszuwählen, da es uns wichtig ist qualitativ hochwertige Lebensmittel zu verkaufen.

Wir haben gelernt, dass unsere Zielgruppe, die Bevölkerung von Tel Aviv, die Qualität von Lebensmittel schätzt, sogar wenn diese mit einem leicht höheren Preis verbunden ist.

Weiterhin hat uns die Einführung des berühmten Hydrokultur-Zentrums „Green in the City“ (Yarok Ba’ir) einige neue Einblicke über den Lebensmitteltransport zu den Restaurants im Einkaufszentrum gegeben. Green in the City ist ein landwirtschaftliches Zentrum, das zeigt wie man mit Hydrokultur Lebensmittel, hauptsächlich Gemüse, anbauen kann. Dieses Zentrum wurde in Kooperation mit einem Unternehmen namens „LivinGreen“ im Jahr 2015 eröffnet. Der Besitzer von LivinGreen hat das Konzept erfolgreich bei den Vereinten Nationen beworben und führt es in China, Äthiopien und weiteren Ländern ein. Ich bin glücklich dieses Konzept mit der Entwicklung des Dizengoff-Zentrums verbunden zu haben. Als wir das Programm gestartet haben, wussten wir nicht welchen Effekt es haben wird. Aber nach ein paar Monaten des Experimentierens mit Hydrokultur auf dem Dach des Einkaufszentrums, haben wir realisiert, dass wir in der Lage sind Gemüse in weit größerem Umfang anzubauen. Wir wandten uns an die Köche und Restaurantbesitzer im Einkaufszentrum und boten ihnen frisches, wunderbar aussehendes und leckeres Gemüse an, dass wir direkt über ihren Köpfen angebaut haben. Das Zentrum führt nun Studierende und Besucher aus der ganzen Welt hierhin, so dass sie sich über Hydrokulturen und den Gemüseanbau auf freien Flächen informieren können.

F: Ich habe von ihren vielfältigen Beiträgen zu den Projekten des Heschel-Zentrums und den Projekten einiger Heschel-Absolventen gehört. Wie können sich Absolventen des Fellowship-Programms bei Ihnen beteiligen?

Bereits in unserem heutigen Gespräch habe ich zwei Absolventen erwähnt mit denen wir arbeiten. Wenn ich jemanden aus einem anderen Bereich hinzuziehen muss, wende ich mich natürlich zuerst an Heschel-Absolventen.

Ich denke unsere Arbeit als Heschel-Absolventen ist ziemlich klar bezüglich des Ziels, das wir in unseren jeweiligen beruflichen Bereichen erreichen wollen, ob wir nun in der Zivilgesellschaft, in der Regierung, in Unternehmen oder irgendeinem anderen Feld arbeiten. Meiner Meinung nach besteht ein Bedarf darüber zu reden, was in unserer Welt passiert und was unsere Kollegen machen, um zu helfen. Ich denke dies bringt mehr Menschen in Nachhaltigkeitskreise und wird die Wolke des Zynismus auflösen. Der Direktor von „Green Course“ hat sich beispielsweise das Telefon genommen und mir von dem Projekt erzählt, für das er Geld in seiner Organisation beschafft hat und er fragte sich, ob auch ich spenden wollte. Er sagte, dass er ein Heschel-Absolvent wäre und ich erwiderte, dass ich eine Heschel-Absolventin wäre und dann sagte ich, dass ich ihm sofort helfen würde. Ich bin mir auch sicher, dass wenn ich die Zusammenarbeit mit und Unterstützung von dem sozialen Sektor benötige, dann werde ich ein offenes Ohr und eine stützende Schulter finden von den Heschel-Absolventen, die in diesem Sektor aktiv sind.

Die englische Originalfassung des Interviews ist verfügbar unter folgendem Link:

http://www.heschel.org.il/heschelen-media-story-254209

 

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