Zum jüdischen Neujahr: Israelis werden stets weniger religiös

Zum jüdischen Neujahr: Israelis werden stets weniger religiös

Herzliya Beach, Israel. Creator: RonAlmog. Creative Commons License LogoThis image is licensed under Creative Commons License.

Pünktlich zum Rosh Hashana, also zum jüdischen Neujahr, haben das Medienportal Ynet und die israelische NGO Hiddush for Freedom and Equality die neueste Ausgabe ihrer jährlichen Studie zu Religion und Staat veröffentlicht. Die Erkenntnisse dieser Studie widersprechen der internationalen Wahrnehmung, dass Israel zunehmend religiöser wird. 

Laut der neuen Umfrage beschreiben sich selbst nur noch 38% der Israelis als religiös. Gleichzeit will die Mehrheit der Bevölkerung mehr Freiheit, eine Trennung von Religion und Staat und weniger Religion im öffentlichen Raum. Zum Beispiel sank die Zahl der Befürwortenden einer Hochzeit im Rabbinat (die oberste Autorität für das Judentum in Israel) von 63% (2015) auf 50% (2017). Gleichzeitig stieg die Unterstützung für eine Zivilehe von 19% auf 30%. Zusätzlich fordern 86% vom Staat die Gewährleistung der Gewissens- und Religionsfreiheit. Außerdem wollen immer mehr Israelis eine Änderung der fast kompletten Einschränkung des öffentlichen Verkehrs am Sabbat. Während nur 8% das Fahrverbot ausweiten wollen, fordern 28% eine vollständige Gleichstellung mit den regulären Wochentagen.

Der Säkularisierungstrend zeigt die Sorge in der israelischen Gesellschaft, dass Israel nicht gleichzeitig jüdisch und demokratisch sein könne. Während 2012 „nur“ 56% diese Grundprinzipien als unvereinbar ansahen, stieg die Zahl bis 2017 auf 68%. Trotz starker Unterstützung der Religionsfreiheit glauben 82% der Bevölkerung, dass selbst ultraorthodoxe Schulen Grundfächer wie Mathematik und Englisch in den Lehrplan aufnehmen sollten. Noch dazu denken 84%, dass reinen Torahschulen ihre staatliche Unterstützung gänzlich oder teilweise entzogen werden sollte. Selbst beim Militärdienst sind mehr als ein Drittel der Israelis nicht bereit Ausnahmen für Ultraorthodoxe zu machen. Ein weiteres Drittel fordert, dass Ultraorthodoxe sich zumindest am Zivildienst beteiligen.  

So zeigt die neue Studie ein säkularisierendes Israel, das im eindeutigen Kontrast zur Regierungspolitik der Likud-Koalition steht. Es stellt sich die Frage, ob diese Diskrepanz zwischen der allgemeinen Meinung und der Regierungshaltung nicht die Hoffnung für politische Veränderung in sich trägt.

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